Die neun Sachgebiete der Sachkundeprüfung 34a
Was in jedem Gebiet tatsächlich verlangt wird — und welche Punkte am häufigsten verschenkt werden.
Der Rahmenstoffplan teilt den Stoff in neun Sachgebiete. Sie sind weder gleich groß noch gleich schwer: Die Gebiete 1, 4 und 5 hängen eng zusammen und beantworten gemeinsam fast jede praktische Frage — darf ich festhalten, darf ich durchsuchen, darf ich verweisen.
- 1. Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
- 2. Gewerberecht
- 3. Datenschutzrecht
- 4. Bürgerliches Recht
- 5. Straf- und Strafverfahrensrecht
- 6. Umgang mit Verteidigungswaffen
- 7. Unfallverhütungsvorschriften
- 8. Umgang mit Menschen
- 9. Grundzüge der Sicherheitstechnik
1. Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
Das größte Sachgebiet und die Grundlage für fast alles andere. Hier geht es um die Abgrenzung zwischen staatlichen Befugnissen und dem, was eine Privatperson darf — und eine Sicherheitskraft ist rechtlich Privatperson.
- Gefahrenbegriff: konkrete Gefahr, Anscheinsgefahr, Gefahrenverdacht
- Aufgaben von Polizei und Ordnungsbehörden — und wo deine enden
- Verhältnismäßigkeit: geeignet, erforderlich, angemessen
- Jedermannsrechte statt Sonderbefugnisse
2. Gewerberecht
§ 34a GewO selbst und die Bewachungsverordnung. Wer darf bewachen, unter welchen Auflagen, und was passiert bei Verstößen.
- Erlaubnispflicht nach § 34a GewO und ihre Voraussetzungen
- Zuverlässigkeit und die Gründe, die sie ausschließen
- Unterrichtung vs. Sachkunde: welche Tätigkeit was verlangt
- Bewacherregister, Dienstausweis, Kennzeichnungspflicht
- Haftpflichtversicherung und Dokumentationspflichten
3. Datenschutzrecht
Seit der DSGVO deutlich präsenter in der Prüfung als früher — und in der Praxis der Bereich mit den teuersten Fehlern.
- Rechtmäßigkeit der Verarbeitung: Art. 6 DSGVO
- Videoüberwachung: Hinweispflicht, Speicherfristen, berechtigtes Interesse
- Betroffenenrechte: Auskunft, Löschung, Widerspruch
- Wann eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig ist
- Meldepflicht bei Datenpannen — 72 Stunden
4. Bürgerliches Recht
Besitz, Eigentum und vor allem das Hausrecht — die Rechtsgrundlage, auf die sich der Alltag im Bewachungsgewerbe am häufigsten stützt.
- Besitz und Eigentum: nicht dasselbe, und die Unterscheidung wird geprüft
- Hausrecht: wer es hat, wie es übertragen wird, wie weit es reicht
- Hausverbot erteilen — und was es nicht erlaubt
- Selbsthilfe, Notstand, Schadensersatz
- Verträge und Haftung im Bewachungsverhältnis
5. Straf- und Strafverfahrensrecht
Notwehr, Nothilfe und die vorläufige Festnahme. Das Gebiet mit den folgenschwersten Irrtümern.
- Notwehr § 32 StGB: gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff
- Nothilfe: Verteidigung eines anderen, gleiche Voraussetzungen
- Notstand §§ 34, 35 StGB und die Abwägung
- Vorläufige Festnahme § 127 StPO — ein Jedermannsrecht
- Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung: was aus einem Übergriff wird
- Straftat und Ordnungswidrigkeit, Antrags- und Offizialdelikt
6. Umgang mit Verteidigungswaffen
Auch wer nie eine Waffe tragen wird, wird dazu geprüft. Der Schwerpunkt liegt auf dem Waffengesetz, nicht auf der Handhabung.
- Waffenbegriff und verbotene Gegenstände
- Kleiner Waffenschein, Waffenbesitzkarte, Führen vs. Besitzen
- Reizstoffsprühgeräte und Abgrenzungen
- Aufbewahrung und Transport
7. Unfallverhütungsvorschriften
DGUV Vorschrift 23 für Wach- und Sicherungsdienste. Trocken, aber punktesicher, weil die Fragen wenig Interpretationsspielraum lassen.
- Pflichten von Unternehmer und Beschäftigten
- Persönliche Schutzausrüstung
- Alleinarbeit und Meldepflichten
- Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe, Dokumentation
8. Umgang mit Menschen
Deeskalation, Kommunikation und interkulturelle Kompetenz. In der schriftlichen Prüfung unterschätzt, im Fachgespräch zentral.
- Deeskalationsstufen und wann Sprache noch wirkt
- Wahrnehmung, Vorurteil und Eigensicherung
- Konfliktverhalten und Distanzzonen
- Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen
- Diskriminierungsfreies Handeln, AGG
9. Grundzüge der Sicherheitstechnik
Mechanische und elektronische Sicherung. Wenige Fragen, aber leicht zu holen.
- Mechanische Sicherung: Widerstandsklassen, Schließanlagen
- Einbruchmeldeanlagen und Meldertypen
- Video- und Zutrittskontrolltechnik
- Brandmeldetechnik und Verhalten im Alarmfall
Womit anfangen?
Nicht bei Gebiet 1, obwohl es das größte ist. Fang mit Straf- und Strafverfahrensrecht und Bürgerlichem Recht an: Sie liefern die Begriffe, mit denen der Rest arbeitet. Wer Notwehr und Hausrecht sicher hat, liest Gebiet 1 anschließend fast wie eine Zusammenfassung.
Die Gebiete 6 bis 9 sind kleiner und faktenlastig — gut geeignet für kurze Einheiten und für die letzte Woche vor dem Termin, weil sie eher Auswendiglernen als Verstehen verlangen.
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